Ich gebe es zu: Das ist ein billiger Punkt, denn nichts von dem, was Köster in seiner Analyse schreibt, wird dadurch falsch. Und eigentlich will ich hier ja das Jubiläumsheft vorstellen. Nachdem ich mit dem dicken "11Freunde"-Buch zum 20. Geburtstag nicht so ganz glücklich wurde (siehe hier), schafft das Heft eine etwas höhere Punktzahl, wenngleich ich mir auch hier beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis mehr versprochen hatte. Immerhin: Die Rubrik "Alles mal Paroli laufen lassen" bietet in fünf Teilen "Schnurren, Anekdoten und Redaktionsinterna", also Geschichten aus dem Alltag der "11Freunde"-Macher. Und auch wenn man die eine oder andere Story schon mal irgendwo gelesen hat, zeichnet dieses Serie ein schönes Bild vom durchaus steinigen Weg, den das Magazin in den 25 Jahren absolvieren musste, ehe es im Fußball-Geschäft akzeptiert wurde. Christoph Daum etwa, immerhin späterer Kolumnist des Heftes, drohte 2008 gleich bei der ersten (völlig harmlosen) Frage des Redakteurs aggressiv mit einem sofortigen Abbruch des Interviews. In so einer Situation seinen Stolz zu schlucken und nicht einfach aufzustehen und "Okay, Herr Daum, dann lassen wir das eben. Schönen Tag noch!" zu sagen, ist vermutlich gar nicht so einfach. Jedenfalls sind allein diese Seiten den Kauf des Heftes wert.
Sehr viel erwartet hatte ich vom Interview mit Ex-Bayern-Pressesprecher Markus Hörwick. Und obwohl es hier und da wirklich interessante Einblicke gibt, etwa zur Nike-Shirt-Posse Mario Götzes, war ich nach dem Lesen unzufrieden, weil mir vieles zu vage, zu allgemein blieb. Was auch deshalb schade ist, weil ich insgeheim immer gehofft habe, dass es von Hörwick mal ein dickes Buch über seine Bayern-Zeit geben wird. Hans Meyer kehrt für die Jubiläumsausgabe als Kolumnist mit "Gehen Sie davon aus" zurück, kann aber an seine frühere Form so gar nicht anknüpfen. Vielleicht ist seine Zeit einfach genauso vorbei wie die von Günter Hetzer. Nicht vorwerfen kann man den Magazin-Machern, dass sie Fan-Themen eine Menge Platz einräumen, etwa den "Wir gründen einen eigenen Verein"-Projekten in Wimbledon, Salzburg und Manchester oder Projekten gegen Rassismus und Sexismus im Stadion. Zwar wurden all diese Themen in der Vergangenheit schon hinreichend gemolken, sind aber nun mal Teil der "11Freunde"-DNA. Da muss man dann als Leser durch. Interessanter für mich sind da schon die Texte über Abramowitsch, Infantino und Neu-Bulle Jürgen Klopp. Unter dem Strich bleibt ein kaufens- und lesenswertes Heft, besser als das Buch vor fünf Jahren, aber auch keine 10 Punkte. Die werden es dann ja vielleicht zum 30. Geburtstag in fünf Jahren.
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