Samstag, 15. November 2025

Basler, Babbel und das Leben: Nicht nur Kalendersprüche

Das im kleinen, aber feinen Wiener Verlag edition a erschienene Büchlein "Das Leben nach den besten Jahren" von Mario Basler und Markus Babbel nahm ich mit eher gemischten Gefühlen zur Hand. Denn wenn Lebensweisheiten von Mario Basler kommen sollen, ist höchste Vorsicht geboten. In der Besprechung seiner Autobiografie beklagte ich seinerzeit die „selbstgefälligen Heldengeschichten eines nur schwer erträglichen Schlichtmichels“ – und viel sprach dafür, dass von "Kippen-Mario" keine tiefen philosophischen Einsichten zu erwarten waren. Und Markus Babbel? Dessen Biografie hatte ich ob ihrer Meinungsstärke sehr gemocht. Aber den eher ruhigen, analytischen und zurückhaltenden Babbel und den krawalligen Basler brachte ich für ein gemeinsames Buchprojekt nun gar nicht zusammen. Andererseits - warum eigentlich nicht? Zwei ehemalige Bayern-Spieler, beide mit großen Karrieren und ebenso großen Brüchen. Und beide mit Alex Raack bereits für überdurchschnittlich gute Fußballbiografien verantwortlich. Dass die beiden sich nun in Buchlänge mit dem Leben nach dem Fußball auseinandersetzen, klang doch durchaus interessant. Und, richtig, "Das Leben nach den besten Jahren" entfaltet tatsächlich einen seltsamen Reiz.

Und das, obwohl sich meine Befürchtungen durchaus bestätigten. Das Buch ist durchzogen von Sätzen, die man auch auf Tassen oder vor einem Yogastudio erwarten würde. „Wenn du die richtigen Schlüsse aus deinen vermeintlich besten Jahren ziehst, werden die Jahre danach noch besser“ – das klingt nach jener Kategorie Lebenshilfe, die man besser überblättert. Oder: „Sprich mehr darüber, was du morgen tun willst, als über das, was du gestern getan hast.“ Ein Satz, der gleichzeitig wahr, banal und vollkommen austauschbar ist. Aber - und das führt uns zu den guten Nachrichten: Es bleibt nicht dabei.

Denn zwischen all den Allgemeinplätzen stehen Geschichten, die tatsächlich etwas erzählen. Etwa Mario Baslers Erinnerung an seine Zeit in Katar. Der Ex-Profi beschreibt dort sehr offen, wie er in einer völlig anderen Kultur landete, wie er den Fußball, die Hitze, die Regeln und das gesamte Umfeld gründlich unterschätzt hatte. Es ist eine Mischung aus staunender Selbstüberschätzung und rückblickender Klarheit, die die Szene überraschend gut trägt. Auch Babbel hat seine starken Momente, etwa wenn er von der Leere nach dem Karriereende spricht. Die Passagen über seine Heimkehr nach Deutschland, über Trainerwechsel, Verletzungen und Selbstzweifel sind viel näher an der Tiefe seines Solo-Buchs als an der Esoterik der Motivationsliteratur. Und weil Babbel präziser formuliert als Basler, wirkt dieser Teil oft wie der ruhigere, glaubwürdigere Gegenpol zum lauten Mario.

Spannend ist auch die Dynamik zwischen beiden. Da sitzen der lässige Instinktspieler und der ernsthafte "Abwehr ist mein Beruf"-Profi nebeneinander und reflektieren ein Leben, das sich nach dem Höhepunkt neu sortieren muss. Dabei gelingt dem Buch immer wieder, was man nicht unbedingt erwarten würde: Es zeigt zwei Männer, die ihre Karrieren nicht verklären, sondern tatsächlich bereit sind, über Schwächen zu sprechen. Natürlich, vieles bleibt vorhersehbar: die großen Themen Selbstfindung, Zukunftsorientierung, der obligatorische Appell, die „beste Zeit“ im Jetzt zu sehen. Und ja, es hätte dem Text gutgetan, die Klischees stärker zu reduzieren und die wirklich spannenden Episoden weiter auszubauen. Aber unterm Strich ist "Das Leben nach den besten Jahren" dann doch weitaus besser, als es der Titel und die ersten Kapitel vermuten lassen. Wer Basler nur als Sprücheklopfer und Babbel als analytischen Ex-Profi kennt, erkennt beide hier wieder – aber mehrdimensionaler, verletzlicher und überraschend offen. Ein lesenswertes Buch!

Mario Basler und Markus Babbel: "Das Leben nach den besten Jahren", edition a