(KL) In die Reihe der großen deutschen Torhüter gehört Lutz Pfannenstiel nicht. Der heutige Funktionär räumt in seiner Biographie "Unhaltbar: Meine Abenteuer als Welttorhüter" auch selbstkritisch ein, dass sein Talent für die Fußball-Bundesliga wohl nicht gereicht hätte. Eine gewisse Berühmtheit erlangte er indes, weil er als erster Fußballer auf allen fünf Kontinenten und vor allem in allen sechs Kontinentalverbänden der FIFA (Nord- und Südamerika haben jeweils einen eigenen Verband) gespielt hat. Auch wenn Lutz Pfannenstiel sportlich dabei nur bedingt Meriten erworben hat, sind seine Erzählungen spannend wie ein Krimi. So hat er in Singapur drei Monate wegen des Vorwurfs der Spielmanipulation im Gefängnis gesessen, unschuldig, wie er betont, und im Iran vor einhunderttausend Zuschauern gespielt. In England wäre er während eines Spiels beinahe gestorben. Den Berichten von seinen einzelnen Stationen ist eine Aufstellung aller Vereine, für die er gespielt hat, vorangestellt, von den Sembawang Rangers (Singapur) über die Orlando Pirates (Südafrika) bis hin zu den Vancouver Whitecaps (Kanada) und Dunedin Technical (Neuseeland).
Für mich besteht der eigentliche Vorzug des Buches darin, dass es einen faszinierenden Einblick in den Alltag eines deutschen Fußballprofis zweiter oder gar dritter Kategorie im Ausland gewährt. Pfannenstiel erzählt freimütig, wie viel er bei verschiedenen Vereinen verdient hat, wie sein Tagesablauf aussah, wie er den Kontakt zum jeweils nächsten Verein knüpfte und so weiter. Man wird darüber streiten dürfen, ob er nicht an der einen oder anderen Stelle seiner Karriere eine falsche Weichenstellung vorgenommen und sich so eine größere Karriere selbst verbaut hat. Etwa, als er mit 20 Jahren ein Angebot der Amateurmannschaft des FC Bayern München ausschlug oder als er 2007 aus einem offenbar lukrativen Vertrag bei den Vancouver Whitecaps ausstieg, nur um durch ein Engagement bei einem recht armseligen brasilianischen Verein den Status als "Welttorhüter" zu erringen. Aber auch über diese Entscheidungen spricht er offen und durchaus nachdenklich. Es mag ein wenig nerven, wenn er ausgiebig (und durchaus stolz) über seine "Scherze" berichtet, mit denen er diverse Teamkollegen überzog, von mit Butter eingeschmierten Fußballschuhen bis hin zu einem mit Rasierschaum verzierten Hotelbett oder einem an den Hals des Kollegen gedrückten heißen Teelöffel (um einen "Knutschfleck" zu imitieren). Aber wer das übergehen kann, bekommt einen erstklassigen Einblick in den Alltag eines Profis in den kleineren, unbedeutenderen Ligen der Welt.
Fazit: Eine absolut lohnende Lektüre für alle, deren Interesse dem Alltag deutscher Profis im Ausland gilt.
Für mich besteht der eigentliche Vorzug des Buches darin, dass es einen faszinierenden Einblick in den Alltag eines deutschen Fußballprofis zweiter oder gar dritter Kategorie im Ausland gewährt. Pfannenstiel erzählt freimütig, wie viel er bei verschiedenen Vereinen verdient hat, wie sein Tagesablauf aussah, wie er den Kontakt zum jeweils nächsten Verein knüpfte und so weiter. Man wird darüber streiten dürfen, ob er nicht an der einen oder anderen Stelle seiner Karriere eine falsche Weichenstellung vorgenommen und sich so eine größere Karriere selbst verbaut hat. Etwa, als er mit 20 Jahren ein Angebot der Amateurmannschaft des FC Bayern München ausschlug oder als er 2007 aus einem offenbar lukrativen Vertrag bei den Vancouver Whitecaps ausstieg, nur um durch ein Engagement bei einem recht armseligen brasilianischen Verein den Status als "Welttorhüter" zu erringen. Aber auch über diese Entscheidungen spricht er offen und durchaus nachdenklich. Es mag ein wenig nerven, wenn er ausgiebig (und durchaus stolz) über seine "Scherze" berichtet, mit denen er diverse Teamkollegen überzog, von mit Butter eingeschmierten Fußballschuhen bis hin zu einem mit Rasierschaum verzierten Hotelbett oder einem an den Hals des Kollegen gedrückten heißen Teelöffel (um einen "Knutschfleck" zu imitieren). Aber wer das übergehen kann, bekommt einen erstklassigen Einblick in den Alltag eines Profis in den kleineren, unbedeutenderen Ligen der Welt.
Fazit: Eine absolut lohnende Lektüre für alle, deren Interesse dem Alltag deutscher Profis im Ausland gilt.
Lutz Pfannenstiel: "Unhaltbar: Meine Abenteuer als Welttorhüter", Rowohlt
