Vor ein paar Wochen las ich im "kicker" ein wirklich schönes, informatives Interview mit Manfred Bender
und dachte seit längerer Zeit mal wieder: "Einfach nur wunderbar. Für
genau solche Beiträge kaufe ich den 'kicker'." Ich wollte schon eine
kurze Dankesmail an den Verlag schicken - da stellte ich fest, dass der
Artikel von Harald Kaiser stammte, einem inzwischen pensionierten Veteranen des Blattes, der seinerseits hier im Fußballbücher-Magazin vor ein paar Monaten für unsere Fragen zur Verfügung stand. Offensichtlich schreibt er als freier Autor nicht nur hervorragende Biographien,
sondern nebenher auch immer noch ein wenig für seinen alten Arbeitgeber.
Nun hat Kaiser sein Handwerk in den 1980er Jahren gelernt, in einer
Zeit, in der Interviews noch echte Interviews waren und selbst eine
Plaudertasche wie Franz Beckenbauer mit klaren, kritischen Ansagen
aufwartete. Aber der Bender-Beitrag war keineswegs ein Ausreißer. In der letzten Montagausgabe des "kicker" gab es ein ausführliches Gespräch
mit Julian Nagelsmann - und obgleich ich erklärtermaßen
kein großer Fan des Bundestrainers bin, muss ich einräumen: Auch das
war ein sehr lesenswertes Interview mit klaren Fragen und klaren
Aussagen, informativ, sachkundig, meinungsstark, einfach nur eine Freude
von Anfang bis Ende. Und da es in der gleichen Ausgabe noch ein
(ebenfalls sehr interessantes) Gespräch mit dem Vancouver-Legionär Thomas Müller
gab, musste ich konstatieren: Die Kollegen in Nürnberg, die vor einigen
Monaten gleich einmal ihre ganze Chefredaktion austauschten, haben
aktuell einen Lauf.
Interessanterweise gilt das für die unmittelbare Konkurrenz, das Boulevardblatt "Sport-Bild", auch. Lange Zeit habe ich gegähnt, wenn mich mal wieder eine Titelseite mit der Riesenüberschrift "X packt über Bayern aus!"
anschrie und das "Auspacken" sich dann am Ende darauf beschränkte, dass
der Betreffende im Interview einräumte, dass es bei Bayern "schon sehr
fordernd" sei oder irgendein ähnliches banales Zeug. Aber zuletzt habe
ich immer öfter wieder mit viel Freude in die "Sport-Bild" geschaut,
weil ich da - weniger reißerisch, dafür aber substantiiert - von
internen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen beim FC Bayern
las, von Hintergründen geplatzter Transfers - wie etwa dem des Schalkers
Moussa Sylla zu D.C. United bzw. dem New York City FC - oder zum Beispiel über die Umstände der Riera-Verpflichtung
in Frankfurt. Das ist hochspannend, und das sind Beiträge, die mich auf
das Erscheinen der neuesten Ausgabe hinfiebern lassen. Daran ändert auch der jüngste Ausreißer im letzten Heft nichts, als wieder einmal in sattsam bekannter und reichlich plumper Weise versucht wurde, einem Springer-Protegé zu einem neuen Job zu verhelfen ("Hertha muss Sandro Wagner holen").
Wie an anderer Stelle schon ausgeführt,
geht es uns in Deutschland sehr gut mit einem wirklich breiten Angebot
an Fußballzeitschriften. Und wenn die beiden Wochenblätter dann auch
noch ein Formhoch haben, ist es umso schöner. Also gönnt Euch ruhig mal
wieder einen "kicker" oder eine "Sport-Bild" oder selbstredend auch die
neueste "11Freunde"-Ausgabe, wenn Ihr im Bahnhof oder im Supermarkt vor
einem Zeitschriftenregal steht. Denn erstens lohnt es sich und zweitens
wird es all diese Hefte auch nur dann noch längere Zeit geben, wenn sie
jemand kauft.
