Also schön, ich gebe es zu: Den Namen Markus Kavka hatte ich zuvor in meinem ganzen Leben noch nicht gehört. Aber war in meinem letzten Beitrag nicht schon angeklungen, dass ich mit Musik so gar nichts am Hut habe? Ist wirklich so, und deshalb hatte ich keinerlei Ahnung, wer Markus Kavka ist. Was das angeht, bin ich auch nach Lektüre seines Buches "FC Bayern München: Eine Liebeserklärung" (Ullstein) immer noch nicht viel schlauer, aber halten wir fürs Protokoll mal fest, dass er als Moderator von MTV und VIVA gearbeitet hat und ein DJ ist. Und offenbar ist er als solcher so bekannt, dass der Verlag davon ausging, dass sich für seine ganz persönliche Liebeserklärung an den FC Bayern genügend Leser interessieren und knapp 17 Euro dafür auf den Tisch legen. Ich drücke die Daumen, dass diese Überlegung aufgeht!
Persönlich war ich eher zufällig auf das Buch gestoßen, nicht über den Namen Kavka, sondern weil ich eigentlich alles über die Bayern lese. Allerdings dürfte ich damit nicht zur Zielgruppe dieses Buches gehören, das sich eher an Bayern-Newbies richtet. Der Autor beschreibt, wie er als Kind mit dem FCB-Virus infiziert wurde, und gibt dann, verbunden mit seinen persönlichen Stadionerlebnissen, einen groben Abriss des sportlichen Werdegangs des Klubs seit den frühen 1980er Jahren. Dabei hangelt er sich an den bekannten und erwartbaren Meilensteinen entlang, dem 1982er Europapokalfinale gegen Aston Villa (0:1), dem Auftritt von "Turban-Dieter" Hoeneß im DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Nürnberg (4:2), dem Kutzop-Elfmeter (1986), dem deprimierenden Spiel gegen den FC Porto 1987 (1:2), dem legendären ZDF-Sportstudio mit den Kontrahenten Hoeneß und Daum (1989) und so weiter und so fort.
Um nicht falsch verstanden zu werden: An Kavkas echter und tiefer Leidenschaft für die Münchner habe ich keinerlei Zweifel. Und er versteht es, die Geschichte dieser Leidenschaft kurzweilig und unterhaltsam zu erzählen. Aber von wenigen Ausnahmen abgesehen ist es halt Wissen aus zweiter Hand, sind es Dinge, die jeder, der sich auch nur ein wenig für Fußball und den FC Bayern interessiert, schon zig Mal gehört hat. Aber für all jene, die mit den Münchnern bisher noch gar nicht in Berührung gekommen sind, die womöglich nur wissen oder ahnen, dass sie den Klub aus der bayerischen Landeshauptstadt keinesfalls mögen können, ist es eine eine wirklich schöne, weil zugleich informative und persönliche Einsteigerlektüre.
Recht interessant waren für mich Kavkas Schilderungen seiner (nicht immer angenehmen) Erlebnisse als "Grufti" unter eher - sagen wir mal - traditionellen Bayern-Fans der 1980er Jahre und seiner persönlichen Bekanntschaft mit Mehmet Scholl. Hier hat das Buch in meinen Augen seine authentischsten und besten Momente. Wobei, eines ist ebenfalls noch hervorzuheben: Kavka schafft es, mir mit der Beschreibung des Bundesliga-Finales 2001 eine Gänsehaut zu bereiten - obwohl ich die Geschichte und ihren Ausgang in- und auswändig kenne, die entscheidenden Szenen schon Hunderte Male im Fernsehen gesehen und damals, in meiner Wohnung vor dem Radio, in exakt gleicher Weise vor überschäumender Begeisterung auf den Boden getrommelt habe wie der Autor. Es gibt eben Sachen, die man gar nicht oft genug wiederholen kann, einfach weil sie so schön waren - und diese Meisterschaft des FC Bayern war auch meine mit Abstand schönste.
Markus Kavka: "FC Bayern München: Eine Liebeserklärung", Ullstein Buchverlage
